Was bedeutet Dir Weihnachten?

fragte gestern jemand auf Twitter. Interessant ist, dass bedingt durch die Corona-Kontaktbeschränkungen viele plötzlich ums Weihnachtsfest bangen. Also letztes Jahr hörte ich nur Sprüche wie „Weihnachen = die Zeit um die Smartphons der Eltern upzudaten“ und ähnliches. Dieses Jahr setzt ein großes Mimimi ein „unser schönes Weihnachtsfest“ und „ich kann die Familie nicht sehen“…

Erster aufrichtiger Kommentar:

Und ich?

1. Phase: Kindheit
Weihnachten, das bedeutete, dass das „gute“ Wohnzimmer 2 Wochen davor abgeschlossen war und ich versuchte durch das Schlüsselloch etwas zu erkennen. Plätzchen backen mit Oma und Mama. Gang zur Kirche, in der Papa immer einschlief.

2. Phase: Studium und erste Berufsjahre
Nach der allmählich langweiligen „Bescherung“ ging es auf in die abgefahrene Kneipe und dort war es sehr, sehr lustig bis in den Morgengrauen. Aus der Kirche war ich da schon ausgetreten.

3. Phase: Mit eigenem Kind
Jetzt wurde es wieder bedächtiger, denn die Freude des Kleinen über den Weihnachtsrummel war einfach schön. Nachdem dem Kleinen dann klar war, dass es weder Nikolaus, Christkind noch Weihnachtsmann gibt, sahen wird das wieder entspannter. Einmal musste der Weihnachtsbaum im Garten stehen bleiben: Ich hatte ihn mit schwarzem und lilafarbenem Sprühlack „geschmückt“, was leider im warmen Zimmer zu einer unerträglichen Geruchsentwicklung führte (Baumharz und Sprühlack mochten sich nicht). Entsetzen bei den Großeltern.

4. Phase: Mittelalter
Weihnachten hatte ich für mich abgeschafft, Es gab ein Abendessen mit Sohn und Mutter und stark reglementierte Geschenke (was nicht immer eingehalten wurde).
Ich entwickelte mich zum totalen Weihnachtsablehner.

5. Phase: Mit Enkel
Phase 3 wiederholte sich, allerdings mit zusätzlichen Beteiligten (Familie der Schwiegertochter). Diese sind absolute Weihnachtsfans. Meine Gefühle? Nun ja, frau lässt es inzwischen über sich ergehen und die anderen haben in dankenswerter Weise eingesehen, dass ich (herzlich gemeinte) Umarmungen, Drücken und Küsschen verbunden mit dem Wunsch „Fröhliche Weihnachten“ absolut nichts abgewinnen kann und ich werde bei diesem Ritual nicht mehr bedacht (Danke).

Inzwischen sind wir bei der bei der Beendigung der Phase 3. Nur der Enkel erhält Geschenke und es gibt ein Abendessen (Räucherlachs, Krabbencocktail, Baguette …). Selbstverständlich gehört dort ein ganz traditioneller Weihnachtsbaum dazu, so mit elektrischen Kerzen, Kugeln, Schleifchen und Lametta.

Seit einigen Jahren (seit dem Enkel) gibt es auch bei mir wieder einen Weihnachtsbaum. Die sehen allerdings anders aus :

 

Bild des diesjährigen „Baums“ wird nachgereicht (er ist in Arbeit); soviel vorab, es wird positiver :-).

Warum reagiere ich allergisch auf dieses (erzwungene) Fest?

  1. es hat etwas mit Religion/Glaube zu tun und ich bin überzeugter Atheist. Es gibt keine überirdischen Mächte, also keinen Gott oder Götter na ja evtl Jedi oder das grüne Spagettimonster).
  2. Ich mag es nicht, wenn ich an einem bestimmten Kalendertag vorgeschriebene Gefühle haben soll. Ich bin weder auf Befehl traurig, lustig oder gefühlsduselig (letzteres steht für Weihnachten).
  3. Christen, die den Weihnachtsrausch mitmachen sind bigott, denn so wie Weihnachten heute „veranstaltet“ wird, hat es eigentlich nichts mit dem christlichen Glauben zu tun.
  4. und last not least, hat das Datum 24.12. nichts mit des Geburt von Jesus (oder wer immer er war) zu tun. Hierzu: https://www.scinexx.de/dossier/weihnachts-special/

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