Spitzer? Jetzt doch!

Zu Spitzer wollte ich nichts sagen, Weil ich dachte, dass jedes Wort hierzu dem Herrn zu zuviel Aufmerksamkeit verhilft. Nun doch? Ja.

1.) Der Verlag führt mit Spitzer Lesungen in verschiedenen Orten durch und wie berichtet wurde, wurden sogar in Praxen von Kinderärzten Zettel gesichtet, die diese Lesungen bewerben. Es wird also ganz massiv mit den Ängsten von Eltern gespielt um das Buch zu verkaufen.

2.) Demenz ist eine zu ernste Krankheit um damit mediale Aufmerksamkeit zu erheischen. Wer einen Demenzkranken Menschen in der Familie hat, kann Spitzer nur als unverschämt betrachten. Mit dem Leid der Kranken macht man keine Werbung.

3.) Den Aussagen Martin Lindners ist nichts hinzuzufügen: http://carta.info/47569/zwischenbilanz-zu-spitzers-digitaledemenz/

4.) Auch wenn ich Dueck nicht immer mag, seine Argumentation ist richtig: In Anspielung auf Spitzers Bestseller warnt Dueck:
„Das Internet macht Sie nicht dement, es macht Sie überflüssig!“
http://gutjahr.biz/2012/09/dueck-vs-spitzer-digitale-demenz/

Und die Einleitung seines Blogartikels: „Alles hat zwei Seiten, besonders alles Neue. Die Antagonisten des Neuen verdammen es dadurch rhetorisch smart, indem sie seine vermutlichen oder zu befürchtenden Schattenseiten mit den Sonnenseiten des idealisierten Alten vergleichen. Die neuen Technologien unserer neuen Zeit verheißen dem Menschen „Digitale Potenz“. http://www.omnisophie.com/day_174.html

Und nun die praktische Übung:

Ich stelle mir vor, ich bin im Gespräch mit Eltern, die gerade den Vortrag von Spitzer gehört haben (eine schwere Situation, denn Reden kann er hervorragend):

Ich bin anderer Ansicht als Spitzer, ich lerne via Internet tagtäglich viele neue Dinge, beruflich und auch privat. Neben dem Wissen, das ich online abrufen kann, bietet das Internet hervorragende Möglichkeiten zur Kommunikation. Ich komme mit Menschen ins „Gespräch“, die ich ohne Internet nie „getroffen“ hätte. Hier zeigt sich, der für mich selbstverständliche Umgang mit der Online-Kommunikation. Ich spreche von „Gespräch“ und „getroffen haben“ und meine damit den Google Hangout, die Diskussion in einem Forum, Mailingliste oder einer anderen Plattform (um den Ausdruck „Social Media“ zu vermeiden). So wir wie als Kinder auf dem Spielplatz das Miteinander im Sandkasten mehr oder weniger gut gelernt haben, so müssen wir in der heutigen Welt auch das digitale Miteinander lernen. Eine Abstinenz davon hilft nicht, im Gegenteil, sie ist kontraproduktiv.

Ich spreche aber auch von, dass wir das digitale Miteinander „lernen“ müssen. Das passiert nicht im Sandkasten, sondern online. Dazu dürfen wir die Kinder natürlich nicht alleine lassen, Das tun umsichtige Eltern auch im Sandkasten nicht. Also ist es Aufgabe der Eltern und der Schule, den Kindern beim Einstieg in die digitale Kommunikation zu helfen. Das ist in unserer Zeit leider schwierig, da meist die Kinder und Jugendlichen besser mit den entsprechenden Geräten und Programmen umgehen können als die Erziehenden. Sicher unterschätzen Kinder da Gefahren und können in Situationen kommen, denen sie nicht gewachsen sind. Aber auch dagegen hilft es nicht, alles Neue zu verdammen, sondern jeder muss sich kritisch damit auseinandersetzen. Für Eltern und Schule ist jetzt dringendst Weiterbildung im Hinblick auf die digitale Kommunikation geboten, sonst können sie zum einen ihren Kindern nicht helfen, verpassen eigene Chancen und kommen beruflich, sozial ins Abseits.

Das Internet ist da und wird auch (zum Glück) nicht wieder verschwinden. Wir können uns nun hinstellen wie die Mönche beim Verteufeln des Buchdrucks, oder es als die Chance annehmen die uns das Leben in der Zukunft einfacher gestalten wird.

Schlusssatz von Dueck:
„Wie verhindere ich „Demenz“ und wie fördere ich „Potenz“? Diese Aufgabe stellt sich immer neu, wenn sich unser Leben verändert, ja. Aber das Neue abzulehnen, weil nun jede analoge Demenz (an die wir uns gewöhnt haben) durch eine digitale ersetzbar ist? Warum?
Herr Spitzer: Digitale Impotenz ist behandelbar.“

Einen sehr emotionales Beispiel vom Verwechslen von Ursache und Selbsthilfe http://wspirat.blogspot.de/2012/09/meine-geschichte.html

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