#mmc13 – 2: Veränderungen für Trainer/Lehrer/Dozenten

Bei der Teilnahme an einem MOOC werden alle Teilnehmenden, egal ab Aktive oder Lurker, feststellen, dass sich die Rolle der Lehrenden geändert hat. Es gibt schon eine Reihe von Beiträgen dazu in der Leseliste. Ich ergänze diese mit folgenden Aspekten (die auch schon irgendwo einmal andiskutiert wurden :-)):

1. Die Lerninhalte sind öffentlich, d.h. frei zugänglich
“Sein Wissen ins Netz stellen …
… bedeutet das, das Wissen an Diebe zu verlieren, wird mir die Butter vom Brot genommen, oder kann ich damit auch etwas gewinnen?”.
Dieses Thema beschäftigt viele Trainer, denn das eigene Wissen ist das Kapital.
Diese Frage war schon einmal im Wissenswertblog das Thema (2009!). Hier ein paar übrig gebliebene Links (von wegen das Netzt vergisst nichts, sogar mein eigener Link stimmte nicht mehr):

Auch heute ist es für viele, speziell freiberufliche Trainer nicht denkbar einfach so das eigene Wissen frei zur Verfügung zu stellen: „Gewinne ich oder verliere ich etwas?

2. Wenn ich (als Lehrer) nicht mehr lehre, wozu bin ich dann noch da?

Im MOOC “OPCO11″ wurde die Frage nach Kursinhalten angeschnitten. Wenn in einem Kurs, die Inhalte aus dem Web kommen, was macht dann der Mehrwert eines Trainers aus?
Auch wenn Inhalte vorhanden sind, müssen diese gesucht, bewertet, evtl. kommentiert, in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht und dann den Teilnehmern zur Verfügung gestellt werden. Inhalte werden auch ergänzt, durch Fragen, Aufgaben, Übungen, Anregungen und als wichtigste Komponente durch die Diskussion mit Anderen darüber.

Lehrende werden zu Kuratoren

Ich denke, dass auch die betreuende Rolle irgendwie (?) vorhanden sein sollte. Eventuell in regelmäßigen Live-Sessions oder einem Support- oder Händchen-Halte-Forum oder ???

3. Wie weit „entblöße“ ich mich als Trainer in einem öffentlichen Kurs?
Die sehr interessanten Keynote zur Veranstaltung „Transparenz und Vertrauen – No limits?” mit der Überschrift “Der entfesselte Skandal“. Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter” von Prof. Bernhard Pörksen hat mich zu den folgenden Überlegungen geführt.
Wie gehen wir in einem MOOC mit “Kontrollverlust” um?

Kontrollverlust meint: Ich habe keine Kontrolle mehr darüber was wer über mich in welchem Medium sagt.

  • Ob es Lügen sind oder die Wahrheit spielt keine Rolle (Keynote-Beispiel: Bettina Wulff)
  • Ob Worte aus dem Zusammenhang eines informellen Gesprächs gerissen werden oder ob es wohlformulierte Sätze auf einer öffentlichen Veranstaltung waren (Keynote-Beispiel: Köhler)
  • Ob ich diese Inhalte lanciert habe (evtl B. Wulff) oder ob sie durch Zufall aufgegriffen wurden (Köhler)

(Die Keynote gibt es leider nicht als Video, aber einen ähnlichen Vortrag: http://www.youtube.com/watch?v=1_ti46R9TRQ)

Wir wissen (eigentlich), dass immer irgendjemand in der Nähe ein Gerät mit Recorder dabei hat. Damit ist schon klar, dass Worte und auch Handlungen digital zur Verfügung stehen und wenn einmal verbreitet, ad hoc nicht mehr aus der digitalen Welt = dem Internet zu löschen sind.

In einem MOOC gehen wir sehr weit, wir diskutieren Standpunkte, veröffentlichen eigene Texte/Gedanken. Und das steht alles online, öffentlich für alle.
Auf dem Corporate Learning Camp haben wir dies in einer Session diskutiert, hier meine anmerkungen dazu: http://dd-learn.de/2012/10/05/sind-mooc-teilnehmer-digitale-exhibitionistenn-2/

4. Kann mit einem MOOC Geld verdient werden – oder bleiben MOOCs etwas für Hochschulen, gemeinützige Vereine oder Rentner?

– aber das sollten wir separat diskutieren.

http://anjalorenz.wordpress.com/2011/05/26/wofur-bezahlt-man-im-e-learning/

6 Gedanken zu “#mmc13 – 2: Veränderungen für Trainer/Lehrer/Dozenten

  1. Pingback: Generös und Eigentümlich… « microsuite

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  3. Vielleicht wäre auch so eine Art Propädeutikum denkbar. Dafür wären die „Unerfahrenen“ dankbar und die „Erfahrenen“ wissen, dass sie beruhigt später einsteigen können.

    • Wäre doch schade, wenn wir potentielle Neueinsteiger durch zu große Hürden abschrecken würden.

  4. Ich stimme zu, dass auch von den Teilnehmern eine gewisse Kompetenz erwartet wird. Ich würde daher in einer ersten Phase eines MOOC Hinweise, Tipps und Anleitungen zur Verfügung stellen. Hier ist ein Spagat zwischen „ich will die erfahrenen Lerner nicht langweilen“ und „die unerfahrenen nicht verprellen“ zu finden.

  5. Danke für den Beitrag! Leider bekomme ich bei dem Sarah-Beispiel schon nach einer Minute ein schlechtes Gewissen.
    Das Schaubild unter Punkt 2 finde ich sehr gut visualisierend, was der vermeintliche „Dozent“ eines MOOCs leisten sollte. Aber mehr noch frage ich mich: Ist das nicht die gleiche Kompetenz, die man auch vom Teilnehmer erwarten „muss“? Das Schaubild gilt 1:1 auch für den MOOC-Teilnehmer. So mein Standpunkt. Schließlich muss dieser filtern können, was für ihn wichtig ist, was redundant, wo er sich einbringt und wo nicht. Auch er ist ein Wissens-Kurator. Oder?
    Wir hatten die „Muss der Dozent den Teilnehmern die Tools erklären“, Stichwort Medienkompetenz, ja schon in der ersten Woche diskutiert.
    Meiner Meinung nach sollte ein Teilnehmer diese Grundkompetenz schon mitbringen.
    Spannend wäre jetzt aber eine Antwort auf die Frage, was diese besonderen Voraussetzungen für einen Einfluss auf die Didaktik haben….in meinem Kopf sind da noch viele Fragezeichen. Was ist denn genau die „Lehrkunst“, die der (Lehr-)Kurator dem (Lern-)Kurator entgegenbringen sollte??