Meine Familie und die Autos

Ja, wir sind und waren alles Autoenthusiasten.
Die ersten Autos in der Familie hatten der Onkel Otto, der Onkel Karl und der Opa Paul. Dann kamen wir mit den VW-Käfer (da fuhr der Onkel Karl schon einen Opel Kapitän).

(Familienausflug mit Oma und Opa)

Das Auto wurde verehrt und jeden Samstag geputzt. Der erste Urlaub mit den VW-Käfer ging an der Edersee (ca. 150 km entfernt). Egal – man war mobil!!! Und das 1958!
Mein Vater war alles, nur kein Techniker (auch kein Heimwerker), aber ein Autofan.

Die Autos wurden größer, leistungsstärḱer und bequemer. Sicherheit war noch kein großes Thema. Mein Vater arbeitete sich durch die gesamte VW-Modellpalette, einschl. K70 und 411. Das letzte Auto, das mein Vater fuhr war ein Honda Legend, mit (wenn ich mich recht erinnere) 3,2 l Hubraum, einer Größe und einem Wendekreis, der für die Dimensionen damaliger (1994) Parkhäuser zu groß war.
Es herrschte immer ein unausgesprochener Wettbewerb zwischen mir und Papa: wessen Auto hat mehr PS, wer beschleunigt besser …

In diese Familie wurde mein Sohn geboren. Mit einem Opa, der mit dem Enkel Beschleunigungzeiten des Autos stoppte und einer Mutter, die auch nicht gerade langsam fuhr.

Was frau so fuhr (eine Auswahl, vom ersten zum aktuellen):  Mein Fahrstil: zügig. Und ja, ich fahre gerne schnell, so schnell es die Situation und die Bedingungen hergeben. Während meiner Zeit in Berlin (70 – 72) fuhr ich Sonntags morgens, wenn die anderen noch schliefen ein paar „Runden“ auf der Avus (die Steilkurve war da schon leider abgetragen).

Und ja, ich sehe es inzwischen ein, dass die Tempobeschränkung auf Autobahnen auch in Deutschland sein muss. Wir verlieren dadurch nicht unsere Freiheit. Auch ist der innerstädtische Verkehr in Deutschland ist seit vielen Jahren ein hausgemachtes Problem. Wird die deutsche Automobilindustrie darunter leiden? Vielleicht etwas, aber dass sie leidet, hat sie sich selbst zuzuschreiben. Unterstützt durch unfähige Verkehrsminister der letzten Jahre.

Und mein Enkel? Tja, er (jetzt 10 J) ist natürlich ein totaler Autofan, aber er wird es nicht mehr so ausleben können wie wir Alten. Vielleicht wird es irgendwann „Vergnügungsparks“ für alte Autofans geben oder man verlegt sich auf die Virtualität oder den Modellbau.
 
SUVs, Riesenautos mit viel PS und Allradantrieb: braucht keiner in der Stadt und nur äußerst wenige, die querfeldein fahren müssen. Aber so lange diese Modelle von der Autoindustrie massiv beworben werden …

Fahrrad statt Auto: Ich war nie der Fahrradfan, Am Wochendende mal eine Tour entlang einem Fluß, aber nie als Vehikel zum Einkaufen etc..

Leider herrscht inzwischen ein rauher Ton zwischen den Autofahrenden und den Radfahrenden. Man empfindet sich gegenseitig als Störenfriede. Das muss sich ändern. Autofahrer müssen sich an weniger Privilegien in den Städten gewöhnen (dazu muss der ÖPNV verbessert werden) und Radfahrer sollten sich damit vertraut machen, dass nicht jeder das Radfahren liebt, bzw. es etliche zwingende Gründe auch für den motorisierten Individualverkehr gibt.

Wer könnte die Verkehrswende umsetzen?
Ein Verkehrsministerium, das sich nicht von der Automobilindustrie treiben lässt und endlich die Investitionen in Bahn und ÖPNV vornimmt, die notwendig sind.

Die Verkehrswende in Deutschland wird noch eine Weile dauern, denn so wie ich aufgewachsen bin, sind (speziell in ländlicher Gegend) viele aufgewachsen und haben das Autofahren an die Nachkommen übergeben.

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