Hobby Ahnenforschung: Reß

Vor vielen Jahren zeigte mir mein Groß-Cousin (unsere Großmütter waren Schwestern) die Ergebnisse seiner Ahnenforschung. Das fand ich sehr interessant, aber verschiedene Faktoren (Kind, Beruf) verdrängten dieses Thema – bis zum vergangenen Jahr. Jetzt in Rente hat frau für so etwas Zeit und Muße. Inzwischen habe ich verschiedene Linien der Vorfahren bis ins 17. Jahrhundert verfolgen können und der detektivische Ehrgeiz ist erwacht noch weiter auf der Zeitlinie zurückzugehen.

Außerdem gibt es dabei Interessantes, Lustiges und auch Trauriges zu finden. Und so habe ich beschlossen das auch mal zu Papier bzw. aufs Speichermedium zu bringen.

Die Reß’sche Linie

Die Geschichte der Vorfahren des eigene Nachnamens ist für mich nicht nur interessant weil es der eigenen Name ist, sondern weil mein Vater und seine Mutter (also meine Oma) immer davon sprachen, dass die Reßens von den Hugenotten abstammen würden. Nach wenigen Stunden der Suche (die durch Vorarbeit von anderen sehr erleichtert war), musste ich allerdings feststellen, dass das mit der Religionszugehörigkeit nicht ganz so eindeutig ist. Es entwickelte sich erst ab ca. 1800 eine evangelische Linie, während das Gros der Reßens katholisch „blieb“. „Blieb“ deshalb, da der bisher älteste Fund direkten Linie ein Eintrag im katholischen Kirchenbuch von Kiedrich die katholische Trauung belegt. Die beiden Kinder (die einzigen, die ich bisher gefunden habe) wurden auch katholisch getauft.

Wer sind diese bisher ältesten Ahnen:
Joseph Reß heiratet am 31.5.1745 in Kiedrich (Rheingau) die Ursula Maria Bienstädt (eine bis heute dort ansässige Familie). In Kiedrich werden die beiden Kinder Christoph Johannes und Eva geboren. Dann machte sich die Familie – warum auch immer – auf nach Ilbenstadt (Wetterau). Dort gab es bis dahin noch keine Reß. Eva heiratet 1773 den Johannes Conrad Raufft. Über diesen Eintrag der Heirat fand ich den Hinweis auf die Abstammung aus Kiedrich. Der Sohn Christoph Johannes war 2 mal verheiratet und hatte noch einen unehelichen Sohn. Daraus entwickelten sich verschiedene Familienlinen, von denen eine die meinige ist. Leider fehlt ein Kirchenbuchband in Ilbenstadt, so dass die Herkunft weiterer Reßens, die in den folgenden Kirchenbüchern auftauchen nicht geklärt werden konnte.

Doch eine Frage steht jetzt im Raum: Woher kommt Joseph Reß?

Bei meine Suche in den Kirchenbüchern von Kiedrich bin ich auf etliche Reß gestoßen, aber auf keine Geburtsurkunde von Joseph. Aber in dem Traueintrag steht ein Hinweis „rheinfeldensis“.

Was oder welcher Ort ist damit gemeint?

  • Die erste Idee: „Rheinfelden“ in Baden. aber – Pustekuchen – das ist ein moderner Zusammenschluss verschiedener Dörfer. Um 1700 gab es dieses Rheinfelden noch nicht.
  • Die Suche in Google nach „rheinfeldensis“ führte mich zunächst auf eine falsche Spur: nach Rheinfels. Wieso? Eine Landkarte hat falsche Metadaten. Im Titel steht: „Oberrheinischer Kreis – Territorialkarte – S.R.I. circulus Rhenanus superior in quo sunt landgraviatus Hasso-Casselensis, Darmstadiensis et Rheinfeldensis, abbatia Fuldensis, principatus Waldeck et Hirschfeld … urbes imperiales Franckfurt, Fridberg, Wetzlar et…
    Auf der Karte steht allerdings „Hasso Rheinfelsensis

Die nächsten beiden Spuren warten nun:

  • Bergrheinfeld bzw. Grafenrheinfeld in der Nähe von Schweinfurt. Spur: Maria-Schmerz-Kirche-Bergrheinfeld
  • Rheinfelden auf der heutigen Schweizer Rheinseite, damals Vorderösterreich (übrigens recht interessante Geschichte der wechselnden Herrschaftsverhältnisse).

Das schweizerische Rheinfelden scheint mir sehr naheliegend wegen der Hugenottengeschichte. Aber aus fahr-technischen Gründen durchsuche ich erst mal die Kirchenbücher in Würzburg, bevor ich den 2tägigen Ausflug in die Schweiz mache.

Ach so: Wie das Weingut Reß (Eltville / Hattenheim) und die anderen Reßens in Kiedrich mit uns zusammenhängen ist noch zu klären 🙂

Die Schreibweise des Namens variiert von Reß (überwiegend) über Res, Rehs und Rehz.

Beispiele:



Immer wieder interessant: 2 Schreibweisen in einem Dokument:

Täufling: Adam Georg Joseph Rehs, Vater: Franz Joseph Reß II. !

Das Schreibweisen-Chaos endete (mein Vater besaß 3 Geburtsurkunden (Reß, Rehs und Ress), als ich einst in meinen Führerschein (Lore Ress) die Klasse 1 nachtragen lassen wollte und meinen Personalausweis dazu vorlegen musste – der lautete auf Reß. Als der Beamte dies monierte legte ich meinen Reisepass vor, denn der lautete auf Ress. Daraufhin schickte er mich nach Hause mit der Auflage die Ausweise auf eine Schreibweise umzustellen – muss ja alles seine Ordnung haben 🙂

Jetzt heissen wir alle Reß!

Nur mein Führerschein läuft weiterhin auf Ress, denn dies ist noch der historische alte graue Lappen, ausgestellt 1967!

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